Der ehemalige Bahnhof Weitmar und der Spagat

Die geplante Bebauung des ehemaligen Bahnhofs Weitmar ist für uns Grüne ein schwieriges Kapitel. Wir brauchen Wohnbauland, um ausreichend Wohnfläche für die Bochumer zur Verfügung zu stellen und nicht weiter Einwohner an unsere Nachbarstädte zu verlieren. Wir erkennen auch an, dass es in Bochum eine große Nachfrage für neue „gediegene“ Einfamilienhäuser gibt, auch wenn wir das unter dem Aspekt Flächenverbrauch eigentlich nicht gutheißen können. In diesem Sinne befürworten wir, wo immer es möglich ist, schon vorgenutzte Flächen – wie beispielsweise das Kalksandsteinwerk in Hiltrop oder eben das Gelände des ehemaligen Bahnhofs Weitmar – weiter zu nutzen, bevor wertvolle Freiflächen zugebaut werden. Kurz: Flächenrecycling vor neuem Flächenverbrauch.
Insofern halten wir die Entwicklung eines Wohngebietes auf der Bahnbrache generell für sinnvoll. Deshalb haben wir auch dem Wohnbaulandkonzept zugestimmt. Nicht klar war uns zu diesem Zeitpunkt, dass ein wertvolles Stück Natur, der sogenannte „Nordwald“ in die Baufläche miteinbezogen war. Diesen Fehler haben wir im weiteren Verfahren nicht mehr korrigieren können, wollten wir doch das Projekt nicht scheitern lassen.
Wir haben im Verlauf des Verfahrens allerdings immer kritisch nachgehakt. Auf unseren Druck hin wurde das Bebauungsplan-Verfahren von einem beschleunigten in ein Normalverfahren umgestellt. Das war richtig und wichtig. Dadurch wurde die intensive Untersuchung sämtlicher Umweltbelange erst ermöglicht und im Umweltbericht ausführlich erläutert. Wir werden darauf achten, dass alle Vermeidungs-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ordnungsgemäß durchgeführt werden. Schon im Vorfeld haben wir uns auch dafür stark gemacht, dass zumindest die Ersatzaufforstung für den „Nordwald“ im Bezirk Südwesten erfolgen muss und nicht, wie anfangs vorgesehen, im Bochumer Norden.
Auch die Anregung, nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch Wohnungen auf dem Grundstück unterzubringen, geht auf Grüne Initiative zurück. Dadurch kann eine Mischung geschaffen werden, die dem neuen Wohngebiet den Charakter eines zukunftsfähigen Quartiers verleiht. Und barrierearme Geschosswohnungen werden in Bochum nachgefragt wie warme Brötchen. Hier steigt der Bedarf deutlich, nicht nur wegen der demografischen Veränderung.
Spagat müssen wir noch üben
Nichts desto trotz haben wir an dieser Stelle den Spagat zwischen Wohnbauland bereitstellen und wertvolle Biotope schützen nicht zu unserer vollen Zufriedenheit hinbekommen. Das ist ärgerlich. Wir müssen daraus Konsequenzen ziehen.
Beschleunigten Verfahren werden wir nur noch in berechtigten Ausnahmefällen zustimmen. Bei jedem neuen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan sind wir seither bemüht, uns vorab mit der Örtlichkeit so vertraut zu machen, dass wir direkt zu Beginn des Verfahrens die aus unserer Sicht heiklen Punkte benennen und wo immer möglich auch vermeiden können.
Martina Foltys-Banning

Geographische Einordnung/Lageübersicht zum aktuellen Text:

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